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Seite 1 von 2 An der Westabdachung der Corbieres, auf einem Hügel gelegen, erhebt sich das kleine Bergdorf Camps sur l´Agly. Oberhalb der wenigen Häuser erstrecken sich die Überreste einer mittelalterlichen Burg aus dem 11. Jahrhundert. Nur noch wenige Mauerabschnitte sind heute von der Burg erhalten. In späterer Zeit wurde die Burg als Steinbruch zur Erstellung der Häuser des Dorfs verwendet. Zahlreiche u.a. auch gravierte Steine in den Fassaden der Häuser künden von diesem Umstand.  Vermutlich reichen die historischen Wurzeln der ersten Besiedlung viel weiter zurück. Der Begriff "Agli" wird aus dem spanischen"Aguila" abgeleitet (Adler) und findet sich auf alten Kartenmaterial der Gegend. Die spätere Schreibweise "Agly" stammt aus dem katalanischen Sprachraum und wird ab dem 15. Jahrhundert verwendet. Im weiteren Umfeld der Siedlung, oberhalb in den Bergen, befanden sich einstmals römische Bergwerke. Auch weitere Sehenswürdigkeiten wie z.B. Roc Paradet mit seiner legendären Grotte oder die Galamus Schlucht erschließen sich heute dem naturverbundenen Wanderer.
In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts soll sich in den Bergen oberhalb des Dorfes erstaunliches abgespielt haben. Vermutlich angelockt von der Rennes le Chateau Story, die in dieser Zeit erste Hochkonjunktur hat, treibt dort angeblich eine Gruppe von Schatzjägern ihr Unwesen. Verschiedentlich wird in diesem Zusammenhang auch kolportiert, dass die Gruppe in Wirklichkeit auf der Suche nach jüdischen Vermächtnissen ist, die dort in den Bergen verborgen sein sollen. Genannt werden in diesem Zusammenhang auch die Bundeslade sowie die Tora. Zahlreiche Gerüchte und Geschichten haben sich jedenfalls bis heute über diese Vorfälle erhalten.
Zu der wilden Geschichte die sich dort zugetragen haben soll, gibt es mehrere Versionen: In den 80er Jahren: knapp ein Jahr soll es her sein, dass eine Gruppe von über 10 Personnen mit aufwendigem Equipment in den Bergen oberhalb von Agly verschwunden ist. Regelmäßig werden dann Teilnehmer der Gruppe gesehen, wie sie mit weiteren Versorgungsgütern und Lebensmitteln beladen den Berghang hinaufziehen. Zu dem, was sie dort treiben, gibt es unten im Dorf nur Gerüchte.

Ein Lichtblitz spaltet das Dunkel der Nacht. Der Donner einer schweren Explosion wälzt sich die Bergflanken hinab auf Camps sur l´Agly zu. Die Dorfbewohner werden nun schon zum wiederholten Mal aus ihrem Schlaf gerissen. Doch jetzt scheint endgültig Schluss zu sein. Die Geduld der Anwohner ist erschöpft. Schon seit Monaten geht das so. Fast alle männlichen Bewohner des Dorfs gehen zeitweise der Jagd nach und verfügen somit über alte Flinten und auch moderne Gewehre. Man bewaffnet sich und zieht im Schein der Lampen den Berghang hinauf um den Schatzjägern endgültig Einhalt zu gebieten. Zu dem was dann geschieht, gibt es unterschiedliche Aussagen. Fest steht, dass die Schatzsucher am nächsten Tag jedenfalls nicht mehr vor Ort sind. Ob sie nur vertrieben wurden lässt sich heute nicht mehr eindeutig recherchieren. (Aufgrund des Umstands, dass die Schatzgräber angeblich schwer bewaffnet waren, ist eine Vertreibung durch die Anwohner ehr unwarscheinlich).
Nach einer anderen Variante dieser Geschichte soll einer der Schatzsucher am Abend im Telefonhäuschen von Agly aufgetaucht sein. Von dem darauf folgendem Gespräch wird berichtet, dass der Anrufer wiederholt aufgeregt gebrüllt haben soll : "wir haben es gefunden!" - "wir haben es gefunden!"
Was und wie auch immer. Fest steht, dass sich die komplette und äußert umfangreiche Ausrüstung dieser gigantischen Buddelaktion auch heute noch unberührt vor Ort befinden soll.
2010 vor Ort: Eine wirklich verrückte Schatzgeschichte. Doch was hat sich damals dort wirklich abgespielt. Ich nehme 2010 die Spur auf und gehe dieser Geschichte nach, um Licht in das Dunkel zu bringen. Kaum jemand vermag heute noch über den Ort des Geschehens Auskunft zu geben. Ich mache mich also zu Suche in die Berge auf. Schon zwei Tage später habe ich den Ort des Geschehens lokalisiert und mache dort tatsächlich eine äußerst aufregende, sensationelle Entdeckung.
Mit meiner Kameraausrüstung mache ich mich in die Berge oberhalb von Agly auf. Der Weg ist steil und die mörderische Augustsonne brennt erbamungslos auf mich herab. Nach einer Weile finde ich mich in einem Labyrinth aus kleinen Trampelpfaden und alten Trassen wieder. Nach einer weiteren Abzweigung erreiche ich nach einer halben Stunde ein versteckt in den Büschen gelegenes Haus. Ich habe anscheinend tatsächlich die Basisstation der Schatzgräber lokalisiert. Das Haus besteht aus 2 Zimmern und ist komplett eingerichtet. Es finden sich hier mehrere Öfen, Küchengeräte, Werzeugkisten, Bücher, Zeitschriften (u.a. GEO Ausgabe von 1980). Ich bin schon etwas überrascht. Die Geschichte scheint sich zu bewahrheiten. Das ganze Zeug scheint hier seit mittlerweile 30 Jahren relativ unberührt vor sich hin zu dämmern.  Kurz hinter dem Haus dann eine erste umfangreiche Grabungsstelle. Hinter einer großen Abraumhalde führen zahlreiche Löcher in unbekannte Tiefe. Vor der ersten Schachtanlage steht eine gut erhaltene, benzingetriebene Motorseilwinde aus den 80er Jahren (Bild unten links). Ein Stahlseil führt über eine Umlenkrolle in die Tiefe.
Dahinter dann ein Versorgungstunnel. Hier stapeln sich zahlreiche Ausrüstungsgegenstände jeglicher Art (Bild oben rechts). Volle und halbvolle Benzinkannister, Gaskartuschen, Trommeln mit Stahlseil, Stromkabel, Lampen, Sägen, Laufrollen und alles was man so zu einer größeren Buddelaktion benötigt und das Herz eines jeden Schatzgräbers höher schlagen läßt. Dahhinter geht es in einen großen Felskessel. Von hier führt ein Tunnel steil abwärts (Bild unten).

4 Wochen später - ich bin mit Unterstützung und umfangreicher Ausrüstung zurückgekehrt um den Sinn und Zweck dieser außergewöhnlichen Baustelle zu klären. Nachdem ich eine Seilführung quer durch den Trichter gelegt und mich mit dem Grigri gesichert habe, geht es hier weiter. Der Tunnel mündet, wie ich bereits vorher erkunden konnte, in einem Schacht. Eine morsche Holzkonstuktion bildet den Abschluß zu einem schmalen Absatz.  Vorsichtig, um kein Gestein loszutreten, arbeite ich mich langsam bis auf den Absatz vor. Ein kurzer Blick zurück zum Tunnelausgang, dann geht es senkrecht weiter hinab. 5-6 m tiefer erreiche ich dann eine große Felskammer. Im Licht der Lampen taucht vor mir im hinteren Abschnitt eine große Handseilwinde auf. Zahlreiche Lagen von Stahlseil auf der Trommel signalisieren, dass es von hier extrem tief abwärts gehen muss. In dem steil abfallenden Stollen kann ich am Ende des Seils, tief unter mir, einen Fördereimer erkennen, der einen Schachtzugang versperrt. Kurzentschlossen nehme ich die Seilwinde in Betrieb, um den Eimer aus seiner Positon zu entfernen um freie Bahn zu haben. Dann lege ich die Seilführung weiter in den Schacht hinab, klinke mich wieder in mein Abseilgerät ein und ein aberwitziges Unterfangen nimmt seinen Lauf.

Zur Bildergalerie "Camps sur Agly" - zahlreiche Fotos der Expedition 2010...
Weitere Informationen auf der DVD "Rennes le Chateau Report 2010...
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