Wie ist der Abbé zu dem Geld gekommen? A) Da gibt es die Gruppe von Autoren, die die Vorgänge um Rennes le Château in das Reich des Gewöhnlichen verweisen und dem Abbé mehr oder weniger betrügerische Machenschaften nachzuweisen versuchen (illegaler Messehandel) und ihren Gegnern in dieser Sache vorwerfen, bewusste Täuschung und Mythenbildung zu betreiben. B) Die Autoren, die mehr oder weniger alle auf den Publikationen von de Sède, Plantard und Philippe de Chérisey (Lincoln) aufbauen, die die entscheidende Grundlage des Reichtums des Abbé dem Fund eines Schatzes beziehungsweise eines Geheimnisses von großer Bedeutung zuordnen.
A. Messehandel Gegen Ende des 19. und auch noch Anfang des 20. Jahrhunderts besserten viele Priester ihr karges Gehalt mit dem organisierten Lesen von Messen auf. Sie bekamen auf Anfrage an ihre Diözese eine bestimmte Anzahl von Messen zugeteilt, die anschließend abgerechnet wurden. Hierfür bestand eine rege Nachfrage von Privatpersonen und Organisationen etc. Dieses System verselbstständigte sich insofern, dass Priester diesen Organisationsablauf, der normalerweise über die Diözese geregelt wurde, selbstständig in die Hand nahmen und selbige dafür auch aufhielten, um so ihren Lebensunterhalt aufzubessern. René Descadeillas versucht in seinem Buch Mythologie du Trésor de Rennes nachzuweisen, dass Sauinières Reichtum zum Teil oder komplett aus einem von dem Priester perfekt organisierten Messehandel stammt. Er konzentriert sich hierbei auf den regen Postverkehr des Abbé, demzufolge jede Woche eine Unmenge von kleineren Postüberweisungen, mit Beträgen bis zu 40 Franc, bei Sauinière und auch auf den Namen seiner Haushälterin von dem Priester eingenommen wurden. Derselben Quelle nach soll der Abbé sogar landesweit Anzeigen in der Presse geschaltet haben. In dem Buch von Corbu - Captier L'héritage de l'abbé Saunière schlagen die Autoren mit verschiedenen Belegen in die selbe Kerbe. Irgendwann soll ihm aber dann die Kontrolle über sein kleines Wirtschaftsunternehmen entglitten sein, denn er geriet mit dem Lesen seiner Messen bereits 1893 in Rückstand. Er liest im Juli 1893 Messen, die bereits im Mai terminiert waren. Auch Jean-Jacques Bedu kommt in seinem Buch "Autopsie d'un Mythe" zu der Schlussfolgerung, dass sich der Abbé in seinem schon industriell praktizierten Messehandel verstrickte und letztendlich das Opfer seiner eigenen Gier geworden ist. Bis 1894 finden sich tabellarische Aufstellungen über eine Unmenge von Geldbeträgen in den Aufzeichnungen des Abbé, die dann, ab diesem Zeitpunkt, schlagartig abbrechen. Auch Descadeillas bezieht in seinem Buch "Mythologie du trésor de Rennes" eine entgegengesetzte Position zu der de Sède/Plantard Connection und lässt in seinen drei Werken zu diesem Thema kein gutes Haar an diesen Autoren. Die Gegner der oben genannten Theorie fügen hierbei an, dass die Zeit, die dem Abbé für genannte Praktiken zu Verfügung stand, niemals ausreichen konnte, einen derartigen Reichtum anzuhäufen und sie versuchen den rechnerischen Beweis dafür anzutreten. Gleichfalls beziehen sie sich auf hinterlassene Aufzeichnungen des Abbé, aus denen hervorgeht, dass solche Praktiken am 9. Januar 1894 eingestellt wurden (wobei sie nicht ausschließen können, dass es eben bis zu diesem Zeitpunkt so gelaufen sein könnte). Jedenfalls sind ab diesem Zeitpunkt keine tabellarischen Aufzeichnungen dieser Art des Abbé in seinen Hinterlassenschaften mehr anzutreffen.
B. Der Schatzfund beziehungsweise die Entdeckung eines großen Geheimnisses: Von einem Schatzfund, beziehungsweise der Entdeckung eines großen Geheimnisses, wird nach den Versuchen Corbus erstmals wieder in den Publikationen de Sèdes 1964 die Rede sein (gespeist von Informationen Plantard´s und Philippe de Chérisey). Demzufolge fand Saunière bei den Renovierungsarbeiten an seiner Kirche geheimnisvolle Pergamente, von denen der Öffentlichkeit jedoch nur zwei Pergamente vorgestellt werden: Das sogenannte Pergament 1 (das kleine Pergament) sowie das Pergament 2 (das große Pergament). Hierbei soll es sich Angaben Plantards zufolge jedoch nur um ein Pergament gehandelt haben (Vorder- und Rückseite), die von de Chérisey kopiert und dann als zwei Exemplare de Sède zu Verfügung gestellt wurden, der sie dann in seinen Werken veröffentlichte. Die anderen Pergamente entziehen sich auf verschlungenen Pfaden der Öffentlichkeit und werden außer Landes (nach England) gebracht und sollen sich nun in dem Schließfach einer Bank in Paris befinden. Da die Entschlüsselung der Pergamente die Kapazität Saunières überforderte, wandte sich dieser nun, mit dem Segen des Bischofs von Carcassonne, an einen Spezialisten. Er reiste nach Paris, um sich der Hilfe Emile Hoffets bei der Dechiffrierung zu bedienen. Er besorgte sich im Louvre drei Kopien von den Bildern klassischer Meister. Das entscheidende Bild hierbei stammt von Poussin und soll eine Landschaft nahe Rennes le Château (Pontils) widerspiegeln und Bezug auf ein dort befindliches Grab nehmen. Nach Rückkehr in sein Dorf gelingt dem Abbé mit Hilfe der neu gewonnenen Informationen der Durchbruch. Er entdeckt den Schatz, beziehungsweise das Geheimnis. Aufgrund der Umstände, dass der Fund nicht näher beschrieben wird, öffnet sich der Spekulation hierüber Tür und Tor. Lincoln greift die Geschichte auf, um sich über die Plantard Connection weitere Information in dieser Angelegenheit zu verschaffen. Nun erfährt die Öffentlichkeit aus dieser Quelle etwas über das Innenleben eines Priorats von Zion (Prieuré de Sion) und warum die anderen Pergamente die Öffentlichkeit nie erreicht haben.
Fazit : Ein Messehandel des Abbé ist, aus seinen eigenen Aufzeichnungen zufolge, sowie auch den Anklageschriften des Bischofs von Carcassonne nach zu entnehmen, nicht unwahrscheinlich. Die Frage nach dem Umfang des tatsächlichen Kapitalgewinns, den er aus diesen Unternehmungen geschlagen hat, bleibt offen. Möglicherweise wurden nicht alle von ihm getätigten Investitionen aus dieser Quelle gespeist, womit sich die Frage nach dem "Rest" stellt. Die Möglichkeiten eines Schatzfundes oder was auch immer, ist nicht so leicht zu beantworten. Allerdings hätten sich die Umstände eines möglichen Schatzfundes sicherlich nicht so abgespielt, wie es uns verschiedene Autoren glauben machen wollen. Eine Betrachtung der Strömung de Sède / Plantard macht schnell verschiedene Diskrepanzen sichtbar. Das Grab von Pontils passt aus verschiedenen Gründen weder zu dem Bild Poussins, noch zu der Geschichte von Rennes le Château und lässt einen luftigen Eindruck über das Konstrukt ihrer Produzenten entstehen: Der Hintergrund des Bildes stimmt nicht mit der Landschaft überein und das Grab ist erst nach 1900 entstanden. Auch ist zu der sogenannten Prieuré de Sion zu sagen, dass eine von den Autoren geschilderte Prieuré in dieser Form historisch nicht belegbar ist. Die von de Sède verbreiteten sogenannten Pergamente lassen sich ebenfalls in Frage stellen (eine Schöpfung de Chérisey´s - siehe auch Kodex Bezae). Auch ist der angegebene Fundort der Pergamente als Fake entlarvt. Sie verlegen den Fundort der drei Holzzylinder, in denen sich die Pergamente befunden haben sollen, in das Innere des westgotischen Altarpfeilers. Nun stand dieser Pfeiler bis vor einiger Zeit verkehrt herum aufgestellt im Garten der Kirche und es ließ sich nicht ermitteln, ob der Pfeiler an dieser Stelle über eine Öffnung verfügt, in der sich derart sperrige Objekte unterbringen ließen. Der Pfeiler steht nun im Museum. Jedermann kann erkennen, dass in der Verzapfung auf der Oberseite des Pfeilers für solche Objekte kein Platz ist. Auch Hinweise der "Spur" von Corbu führen zu keinem schlüssigen Ergebnis. Zwar taucht auch hier ein einzelnes Pergament auf, dass in einem Holzpfeiler gefunden wurde, doch werden hierzu keine weiteren Angaben gemacht. Der Verbreitung dieser Geschichte zufolge hat der Abbé seinen Reichtum einem Schatzfund zu verdanken. Nichts desto trotz muss das Geld für seine immensen Bautätigkeiten letztendlich vorhanden gewesen sein, denn alle Rechnungen wurden von ihm beglichen. Durch seine royalistische Gesinnung wäre es ebenfalls möglich, dass der Abbé unter dem Landadel der Gegend so manchen Spender und Sponsoren für die Finanzierung seiner Projekte gewinnen konnte. Bezahlte Rechnungen des Bérenger Saunière: http://renneslechateau.free.fr/allemand/comptes.htm
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